Schmerz

Über den Schmerz

Wussten Sie, dass europaweit in jedem dritten Haushalt ein Mensch lebt, der unter Schmerzen leidet? Und haben sie schon davon gehört, dass etwa 17% aller Deutschen von lang anhaltenden, chronischen Schmerzen betroffen sind? Das sind in Deutschland immerhin mehr als 12 Millionen Menschen mit längeren Leidensgeschichten. Bei jedem zweiten davon, dauert es mehr als 2 Jahre, bis sie eine wirksame Schmerzbehandlung erhalten, und nur jeder 10. aller Patienten mit chronischen Schmerzen werden überhaupt einem Spezialisten vorgestellt.

Schmerzursachen können sehr vielfältig sein. Bis heute gibt es keine wirklich objektiv verlässliche Standarddiagnostik. In einer Zeit, in der die Zeit fehlt und jede Handlung zu viel zu kosten scheint, fehlt es oft an Geduld und Interesse, sich dem leidenden Menschen in Ruhe anzunehmen.

Schmerz zeigt sich in verschiedenen, teils wechselnden Intensitäten, stets unter multidimensionaler Beteiligung

  • eigener Schmerzempfänglichkeit
  • individueller biologischer Prozesse
  • langer prägender sozialer Einflüsse (Familie, soziales Umfeld) und bisheriger eigener Lebens- und Lernerfahrungen um Umgang mit Denken, Fühlen und Verhalten bei der Bewältigung negativer Ereignisse sowie schmerzvoller Erlebnisse

. . .  als „Schmerz der Seele“
durch Reaktionen auf Verlust, Trauer oder Trauma oder als Reaktion auf nicht hilfreiche Bindungserfahrungen im frühen Lebensalter bzw. als spürbares Symbol innerer unbewusster Konflikte und Spannungen.

Der Schmerz der Seele hat viele Gewänder:

  • unipolare und bipolare Störungen (Depression, Manie, manisch-depressive Episoden)
  • Angststörungen (Phobie, Panikstörung, generalisierte Angststörung)
  • Zwangshandlungen und Zwangsimpulse
  • Nachhallerinnerungen, Vermeidungsverhalten, dissoziatives Erleben oder anhaltende erhöhte psychische Sensitivität nach Traumaerfahrung
  • Burn-out
  • Essstörungen
  • Schlafstörungen
  • Störungen der Libido
  • Störungen des Magen-Darmtrakts
  • Herz-Kreislauf-Störungen
  • urogenitale Störungen
  • hartnäckige, chronische Erkrankungen (wie rheumatische Entzündungen, Bronchialasthma, Magengeschwüre, Dickdarmentzündung, Bluthochdruck oder Schuppenflechte)
  • Migräne
  • Gesichtsschmerz
  • Fibromyalgie
  • symbolhafte Symptome als Konversionen (psychogene Anfälle, psychogene Störungen der Sinne, psychogene Lähmungen)
  • Abhängigkeit von psychotropen Substanzen (erhöhter Alkohol-, Tabak-, Beruhigungs-, Schlafmittel- oder Rauschmittelkonsum)
  • Psychoseneigung (Beteiligung von Halluzinationen, Wahn)

. . .  als „Schmerz des Körpers“
durch nachgewiesene organisch-strukturelle Veränderungen mit und ohne psychischer Beteiligung bei der Entstehung, Manifestation und Chronifizierung.

Der Schmerz des Körpers richtet sich ganz nach Ausmaß und Schwere der körperlichen Erkrankung und nimmt somit regelmäßig schädigungsspezifische Schmerzbilder an. Diese zeigen sich oft in Organschmerzen, Muskelschmerzen und funktionellen Gelenkschmerzen.

Ganz typische Begleitsymptome der Körperschmerzen sind beispielsweise:

  • depressive Stimmung
  • Angststörungen
  • Schlafstörung
  • Konzentrationsstörungen
  • Störung der Libido
  • vegetative Stressreaktionen
  • erhöhte Muskelanspannung
  • Konsum von psychotropen Substanzen